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Kamenzer Straße 13/15 in Dresden
 
Auf der rechtselbischen Seite der Stadt gelegen, grenzt das Gebiet der heutigen "Äußeren Neustadt" unmittelbar an die zum Dresdner Stadtzentrum gehörende "Innere Neustadt" mit ihrer barocken Stadtanlage um den Goldenen Reiter an. Etwa 1260 Gebäude mit über 8000 Wohnungen befinden sich im "Kerngebiet" auf etwa 76 Hektar zwischen Bautzener Straße im Süden, Bischofsweg im Norden sowie zwischen Königsbrücker im Westen und Prießnitzstraße im Osten.

Heute hat die Äußere Neustadt den Ruf, eines der am geschlossensten erhalten gebliebenen Gründerzeitgebiete Europas mit einem eigenständigen Stadtteilleben zu sein. Das war nicht immer so. Gerade in der Zeit der DDR wurden in zunehmendem Maße bauliche Verfallserscheinungen sichtbar.

Wie hat sich dieses Gebiet entwickelt?

Als typische Stadterweiterung im 19. Jahrhundert auf und hinter den ehemaligen Festungsanlagen angelegt, entstammt der größte Teil der noch heute vorhandenen Wohnbebauung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Typisch ist - neben einem rasterförmig angelegten Straßennetz - die gleichzeitige Einordnung öffentlich genutzter Gebäude - wie Schulen, Kaufhäuser und Industrieanlagen - in ein System geschlossen bebauter, drei bis fünfgeschossiger Wohnblocks.

Noch im Mittelalter war das heute von der Äußeren Neustadt eingenommene Gelände größtenteils von Heidewald bedeckt. Trotz sandiger Bodenbeschaffenheit wurden nach allmählicher Rodung einige Äcker, Wiesen und Weinberge angelegt. Raubbau an den verbliebenen Waldflächen - besonders nach dem 30jährigen Krieg - ließ große, kahle Waldflächen entstehen. Die wenigen landwirtschaftlich genutzten Flächen versandeten, sogar in der Elbe bildeten sich Sandbänke.

Als erste Straße tangierte der Bischofsweg das sandige Gelände im Norden. Diese von den Meißner Bischöfen bereits um 1227 zu ihren Stolpener Besitzungen angelegte Verbindung führte deshalb nicht auf die Stadt zu. Die beiden seit dem Mittelalter bestehenden Straßen nach Bautzen und Königsbrück dagegen - noch heute begrenzen sie das "Kerngebiet" der Äußeren Neustadt - führten unbefestigt auf die Stadt zu. An baulichen Anlagen befanden sich in dieser ungastlichen Gegend - südlich der heutigen Louisenstraße - bis zur 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts nur Galgen und Rad.

Die ersten Anfänge einer Besiedlung dieses wegen seiner sandigen Bodenbeschaffenheit im Volksmund "Der Sand" genannten Geländes fallen in die Regierungszeit August des Starken. August der Starke gab das Gelände schließlich zur Bebauung frei. In der Folgezeit siedelten sich die ersten Bürger "auf dem Sande" an. Es waren meist Gastwirte, die ihre Gasthöfe oder Ausspannen entlang der bestehenden Landstraßen anlegten, um die sonntäglichen aus der Festung durch das "Schwarze Tor" Richtung Heide pilgernden Spaziergänger zu versorgen. Auch im Dienst des König stehende Beamte zählten zu den ersten Ansiedlern.

Schriftsteller wie E.T. A. Hoffmann, Erich Kästner (geb. Königsbrücker Straße 66), Wilhelm Kügelgen, Ludwig Renn (geb. Glacisstraße 2), Gustav Nieritz (wohnhaft Antonstraße 6), Joseph von Eichendorff, J. I. Krazeewski sowie Persönlichkeiten wie Küchenfabrikant A.C. Eschebach, Landschaftsmaler Guido Hammer u.a. sind über Leben und Werk mit diesem Gebiet verbunden.

Nach Schleifung der militärisch nicht mehr benötigten Festungsanlagen zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die damalige "Rats- und Amtsgemeinde vor dem Schwarzen Tor" zügiger bebaut und 1835 als "Antonstadt" auch wirtschaftlich an Dresden angeschlossen. Kleinere zwei- bis dreigeschossige Gebäude in den geschlossen bebauten Straßenfluchten sind Zeugnisse der noch erhalten gebliebenen ältesten Gebäude um 1850. Architekten wie Thormeyer, Semper, Nicolai etc. sind mit dem Bauen in der damaligen Antonstadt verbunden. In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erhielt die Antonstadt eine eigene Kirche. Sowohl wegen der Geschlossenheit der die Kirche umgebenden Platzanlage als auch wegen der gestalterischen Durchbildung der den Platz umsäumenden Wohnhäuser zählt der Martin-Luther-Platz zu den städtebaulichen Meisterleistungen des 19. Jahrhunderts.

Entgegen zahlreichen Meinungen, daß die Äußere Neustadt als Wohngebiet für Arbeiter errichtet wurde, belegen das Gegenteil nicht nur die Besiedlungsanfänge, sondern auch die späteren Adressbücher. Hier lebte der bürgerliche Mittelstand mit Handwerkern, Gewerbetreibenden, zahlreichen Offizieren - wegen der Nähe zur Albertstadt, dem nördlich angrenzenden Kasernenviertel; in Dachgeschossen und Hinter- und Seitenhäusern wohnten Bedienstete und später - nach 1869 im Zuge der industriellen Entwicklung - auch Arbeiter. Wohnungsgrößen zwischen 30 und 200 m² mit unterschiedlichstem Ausstattungsgrad deuten noch heute auf seine ursprünglichen Nutzer hin. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war die bauliche Entwicklung der Antonstadt fast abgeschlossen und beschränkte sich auf die Schließung einzelner Baulücken.

Die Zerstörungen des 2. Weltkrieges waren in der Antonstadt - ab 1947 Äußere Neustadt genannt - im Vergleich zur Gesamtstadt gering und betrafen überwiegend wertvolle Einzelgebäude - wie das Alberttheater, die Villa Rosa, die Kuppelvilla, die Eschebachvilla (teilzerstört, derzeit im Wiederaufbau). "Umgestaltungen" verschiedener Gebäude mit teilweise kurzlebiger Erneuerung von Dächern, Rohrleitungen und Fassaden bei der Beseitigung wichtiger Schmuckdetails führten aus heutiger Sicht zu keinem befriedigendem Ergebnis. Die 1983 verabschiedete "städtebauliche Leitplanung" sollte Grundlage für eine Sanierung der Gebäude bei weitgehendem Erhalt der vorhandenen Substanz sein. Das Fehlen der wirtschaftlichen Voraussetzungen verurteilte sie letztendlich zum Scheitern und führte zum Entwurf einer weiteren Leitplanung 1988, bei der etwa 50 % der vorhandenen Bausubstanz abgerissen werden sollte. 1989 im Frühjahr begannen sich Bürger zu einer bis heute existierenden Initiative - der "IG Äußere Neustadt" - zusammenzuschließen, um ihren Zweifeln und ihrem Unmut mit den geplanten Maßnahmen Luft zu machen, die Politiker zu zwingen. Dann kam die Wende ...

Nachdem noch 1989 im November in der Äußeren Neustadt das erste freie Architekturbüro aufgebaut wurde, wenig später die bis heute existierende Sanierungskommission sich um behutsame Einfügung von Sanierungsmaßnahmen bemüht und bereits im März 1990 trotz damals noch fehlender rechtlicher Voraussetzungen einen Beschluss durch die Stadtverordneten durchsetzte, das Kerngebiet der Äußeren Neustadt zum Sanierungsgebiet zu erklären, wurden seitdem mit Städtebaufördermitteln etwa 60 Häuser instandgesetzt und über 200 Ordnungs- und Sicherungsmaßnahmen durchgeführt.

Heute hat die Äußere Neustadt nicht nur zahlreiche ihrer Fassaden neu hergerichtet und beherbergt Menschen unterschiedlichster Gruppierungen, sondern hat mit ihrer BRN - "Bunte Republik Neustadt" - den zahlreichen alternativen Cafes, Kellerkneipen, Boutiquen mit eigenem Flair, Kinderfesten im "Klub für Dich", dem Kinderladen "Känguru", dem "schönsten Milchladen der Welt" etc. ein eigenständiges Leben erhalten. Neben wenigen Neubauten, teils im öffentlich geförderten Wohnungsbau, sanieren private Eigentümer Ihre Häuser... Ein Nobelviertel wird die Äußere Neustadt mit Sicherheit nicht - ein unverwechselbarer Stadtteil Dresdens ist sie schon heute.